Das Yamaha WX11 & das VL70m Soundmodul

Yamaha ist einer der wenigen Hersteller, der die Entwicklung von MIDI Windcontroller stetig fortgesetzt hat. Im Jahre 1989 kam das WX7 auf den Markt und vier Jahre später das WX11.

Alex Hanssen, Musiktherapeut am Rehabilitationszentrum Groot Klimmendaal in Arnheim (Niederlande) setze das Yamaha WX11 erstmals zu therapeutischen Zwecken ein. 1999 erschien das Nachfolgemodell WX5. Es hat sich gezeigt, dass beide Modelle für Menschen mit Behinderung gut geeignet sind. Nach langjähriger Erfahrung mit beiden Modellen können wir feststellen, dass es einen großen Unterschied zwischen ihnen gibt. Eine Vielzahl unserer Musiker mit Behinderung kann nur eine Hand benutzen. Auf dem WX11 schafft man damit nur vier Töne aus der C-Dur-Skala, auf dem WX5 jedoch lässt die gesamte G-Dur-Tonleiter im Bereich von einer Oktave mit nur einer Hand greifen! Dies ermöglicht in diesem Fall viel größere musikalische Freiheiten. Auf unseren Download-Seiten finden sie eine stetig wachsende Sammlung von Noten für Windcontroller.

wx11

Das WX11 ist ideal für Teilnehmer, die genug Stärke aufbringen, um beide Arme zu benutzen. Oft ist es auch gar nicht nötig, das Instrument auf einen Mikrofonständer zu montieren, wie es bei Spielern üblich ist, die einen Arm verwenden. Denn das Instrument lässt sich leicht mit einem Halsgurt oder zwischen den Beinen gehalten fixieren.

Ein weiterer Vorteil des WX11 ist sein ergonomisches Design – das Instrument ist kurz hinter dem Mundstück nach hinten gebogen, was dabei hilft, es nah am Körper zu halten. Leider wurde diese Ergonomie beim WX5 nicht fortgeführt. Jedoch lässt sich das WX5 mit einigen Tricks in allen Fällen sehr bequem spielen.

Sowohl das WX11 als auch das WX5 funktionieren am besten wenn man sie mit einem der von Yamaha speziell für die WX-Familie entwickelten Soundmodule verbindet. Die Instrumente selber benötigen dann keine externe Stromzufuhr mehr.

Was uns zu dem Hauptunterschied zwischen diesen beiden Instrumenten bringt: das WX5 hat einen MIDI-Ausgang, das WX11 hingegen nicht. Falls man das WX11 an einen Synthesizer anschließen will, der nicht von Yamaha für die WX-Familie stammt, benötigt man noch eine spezielle MIDI-Verbindungsbox. Zwei sind momentan verfügbar: das Yamaha BT7 und das WW-Bat der US-Firma Wind Works Design. Die Soundmodule, die am besten zum WX11 und WX5 passen sind das WT11 und das VL70m. Das WT11 kam zuerst auf dem Markt, bis es vom Yamaha-Flaggschiff VL70m abgelöst wurde. Das VL70m wird noch immer produziert.

wx11+vl70

Im VL70m kommt eine sehr spezielle Technik der Klangerzeugung zum Einsatz, das Physical Modeling. Beim Vorgängermodell Yamaha VL1 wurde diese Technologie erstmals verwendet. Das Yamaha VL70m Soundmodul ist sozusagen der große Bruder dieses Synthesizers. Beim Physical Modeling versucht man, die Physik von echten Instrumenten so realistisch wie möglich nachzuahmen. Der Sound selber wird nicht simuliert (wie z.B. bei einem Wavetable Synthesizer), aber die Interaktionen zwischen einzelnen Elementen eines Instrumenten und z.B. auch der Luftstrom durch das Instrument werden mit mathematischen Modellen simuliert. Der Vorteil des Physical Modeling besteht darin, dass viele Faktoren beeinflusst werden können, die zusammen den Ton ausmachen. Ein Beispiel dafür ist eine Flöte: Die Reinheit des Tons hängt davon ab, wie stark man anbläst. Bläst man sanft an, wird die Flöte auch einen sanften Pfeifton erzeugen. Anblasen in normaler Stärke ergibt den gewohnten Flötenton und bläst man sehr hart an, erzeugt dies einen Ton mit mehr Luftgeräuschen und Obertönen. Der MIDI Windcontroller überträgt Breath Control-Signale (cc#2), abhängig davon, wie stark man anbläst. Viele Male pro Sekunde wird der Anblasdruck wieder neu in diese Daten übersetzt, die Werte zwischen 1 und 127 annehmen können. Sanftes Anblasen bedeutet dabei einen niedrigen Wert. Je stärker man anbläst, desto größer wird der Wert.

bt7

Das VL70m hört ständig auf diese Signale, die vom WX5 oder WX11 übermittelt werden. Selbst innerhalb einer einzigen Note können sich diese Werte verändern. Man denke dabei an ein Lautstärkepedal oder ein Gaspedal im Auto, aber anstatt des Fußes verwendet man seinen Atem, um die Intensität des Tones zu beeinflussen. Beim Physical Modeling verändert sich jedoch nicht nur die Lautstärke (wie im Beispiel mit der Flöte beschrieben), sondern der ganze Klange des Tones (wie der Klang eines Automotors, wenn man auf das Gaspedal tritt).

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